Des Deutschen liebstes Kind hört nicht auf, Schlagzeilen zu machen: der Kampf um Opel, die Abwrackprämie... Und kommt jetzt, nachdem der Fördertopf aufgebraucht ist, das große Händlersterben? Fragen an Walter F. Hoffstadt und Harald Heitz, Geschäftsführer des Bergisch Gladbacher Autohauses Hillenberg.
Als Mercedes-Vertragspartner werden Sie von der Abwrackprämie nicht so sehr profitiert haben, wie Ihre Kollegen, die in erster Linie Kleinwagen verkaufen?
Walter F. Hoffstadt: Das stimmt natürlich. Aber es hat auch uns sehr geholfen, dass das Thema „Auto“ viel diskutiert wurde. Das haben wir aber dann in erster Linie beim Verkauf von Jahreswagen gespürt.
Die Wirtschaftskrise ist im Segment der Fahrzeuge à la Mercedes also gar nicht angekommen?
Harald Heitz: Selbstverständlich spüren auch wir die Finanzkrise: Manche Kunden verlängern die Intervalle bis zur nächsten Inspektion, Reparaturen werden aufgeschoben – das ist bei Mercedes nicht anders als bei den Kollegen anderer Marken. Aber wir haben eben auch den Effekt, dass Autokäufer wieder vermehrt auf Hochwertigkeit und Sicherheit Wert legen, um dann „langfristig Ruhe zu haben“, Folgekosten also möglichst auszuschließen versuchen.
Hoffstadt: Der Neuwagenverkauf ist ja schon 2007 zurückgegangen, weil viele den ersten Wertverlust nicht mehr tragen wollten oder konnten. Mit guter Qualität und Garantie haben wir dafür mit Jahreswagen sogar in der „Liga der jungen Familien“ vermehrt gepunktet.
Das Schreckensszenario, das manche Experten dem Autohandel entwerfen, wird also nicht kommen?
Hoffstadt: Oh doch! Die große soziale Krise mit Entlassungen, Steuerwegfall und Inflationssteigerung wird erst noch kommen, da bin ich mir sicher. Und wer weniger Geld im Portemonnaie hat, wird weniger ins Automobil investieren.
Heitz: Ich sehe die Lage nicht ganz so dramatisch, aber sicher ist: 2010 wird ein spannendes Jahr. Vielen kleineren Werkstätten werden die alten kleinen Autos fehlen und die vielen Fahrzeuge auf den Verkaufsflächen mancher Händler – totes Kapital – werden dem einen oder anderen das Genick brechen. Ich hoffe aber, dass diese Marktbereinigung 2011 abgeschlossen sein wird und wünsche mir von der Politik, dass sie diese Hoffnung auch ein wenig schürt. Als Vertragspartner haben Sie da einen Vorteil: Die Neuwagen in Ihrer Ausstellung gehören noch dem Hersteller.
Hoffstadt: Das ist so. Selbstverständlich können Sie bei uns Ihren neuen Mercedes oder Smart kaufen, die Rechnungen hierfür kommen aber von den Niederlassungen.
Heißt: Das Hauptaugenmerk von Hillenberg richtet sich auf gebrauchte und die Werkstatt?
Hoffstadt: Auf die Werkstatt sogar an erster Stelle. Nicht umsonst sagt man ja in unserer Branche: Das erste Auto verkauft der Verkäufer, jedes weitere die Werkstatt. Soll heißen: Wenn wir hier einen guten Job machen, dann bleibt uns der Kunde auch erhalten. Deshalb ist bei uns die Kundenzufriedenheit das A und O.
Was aber auch sein Geld kostet, oder? Deshalb gehen doch viele Kunden zu freien Werkstätten?
Heitz: Das mit dem Preisunterschied wage ich sogar zu bezweifeln. Aber diese Ansicht ist nunmal tatsächlich verbreitet. Ich sage zwar immer: Autos reparieren können alle, aber es ist mehr als der kleine Unterschied. Natürlich achten wir bei uns auch darauf, dass keine Fingerabdrücke mehr zu sehen sind und der Wagen in Ausfahrtrichtung geparkt ist. Aber der Hauptunterschied liegt doch darin, dass wir eine Wartungs-, eine Reparatur- und eine Elektroniktruppe hier beschäftigt haben, die jeweils auf das Produkt unseres Hauses spezialisiert ist. Die kennen unsere Fahrzeuge in- und auswendig.
Hoffstadt: Deshalb haben wir neben den Standard-Schulungen auch weitere Fortbildungsmaßnahmen bei uns durchgeführt. Übrigens zum Teil auch über die RBW mit dem Bildungsscheck NRW gefördert. Wir versuchen unsere Kunden nämlich dadurch zu gewinnen, dass wir seine Erwartungen übertreffen. Dass zum Beispiel der Fehler beim ersten Werkstattaufenthalt auch tatsächlich behoben wird. Gerade für unsere Transporter- und LKW-Kunden ist das mit ein entscheidendes Kriterium für Hillenberg.
Ihr Autohaus ist seit jeher sehr stark im LKW-Segment und dort planen Sie auch verstärkte Aktivitäten?
Hoffstadt: Unbedingt, denn wir hatten in letzter Zeit in diesem Bereich leider eine höhere Personalfluktuation: Unsere Meister waren so gut, dass sie sich persönlich verbessern konnten – schlecht für uns und unsere Kunden, die jetzt aber wieder einen kompetenten Ansprechpartner und auch spezielle Angebote finden.
Wie unterscheidet sich denn der LKW- vom PKW-Kunden?
Heitz: Dem Privatkunden sind andere Dinge wichtig, er schaut auf Farbe, Ausstattung, Image. Für unsere Transporter, die leichten oder schweren LKW gilt: sie sind Werkzeug. Anschaffungspreis, Tonnage, Verbrauch, Betriebskosten. Auch und gerade für Spediteure wichtig: das flächendeckende Werkstattnetz. Schon eine nüchternere Betrachtung als beim Privatkauf.
Für ein Autohaus generell ist und bleibt der Rheinisch-Bergische Kreis aber ein Schlaraffenland, oder?
Hoffstadt: Es stimmt, dass die Aussichten hier deutlich rosiger sind, als anderswo. Wir haben eine solvente Kundschaft aber eben auch ein gutes Produkt und einen guten Namen mit langer Tradition. Das wird von unseren Kunden sehr geschätzt.